KI-Digitalisierung-E-Government


Wenn vor den Gefahren der Künstlichen Intelligenz (KI) gewarnt wird, heißt es gern, diese könne zum Werkzeug der Massenüberwachung werden – etwa in den Händen autoritärer Regime wie dem in China. Doch in der dortigen Kommunistischen Partei (KP) fürchtet man offenbar, dass die Technologie die eigene Herrschaft nicht festigen, sondern gefährden könnte.

Wie die „New York Times“ (NYT) berichtet, warnt der chinesische Minister für Staatssicherheit, Chen Yixin, „ungewohnt offen“ über die Risiken von KI für die Macht der KP. In einem Artikel für das Staatsmedium „China Cyberspace“ scheibt er demnach, die Technologie könne die politische Stabilität des Landes gefährden. Anders als US-Tech-Konzerne, die zuletzt lautstark vor sich selbstständig machenden KI-Modellen warnten, nimmt Chen explizit „feindliche Mächte“ in den Blick. Also Menschen, die KI für ihre Zwecke einsetzen.

Konkret benennt der „oberste Spion“ Chinas dabei laut NYT vier Risiken:

  • „Propaganda-Krieg“ Krieg gegen China: Fremde Mächte könnten KI einsetzen, um die Macht der KP zu untergraben, etwa durch Misinformation in Form von Deepfake-Videos. Henry Gao, Juraprofessor an der Singapore Management University, nennt der NYT ein Beispiel: „Jemand glaubt, Xi Jinping habe eine Erklärung abgegeben, die er in Wirklichkeit gar nicht abgegeben hat. Das könnte für Chaos sorgen.“
  • Angriffe auf kritische Infrastruktur sind durch leistungsstarke KI-Modelle wesentlich leichter und kostengünstiger geworden. Erst kürzlich demonstrierten kalifornische KI-Forscher die Verwundbarkeit von Chinas wichtigster Messaging-App WeChat.
  • Leaks vertraulicher Informationen: Wenn chinesische Staatsbürger ausländische KI-Modelle nutzen, könnten sie dabei Staatsgeheimnisse verraten.
  • Ein KI-Wettrüsten ist bereits im Gange. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz durch die USA im Irankrieg habe das gezeigt, schreibt Chen.

Er fordert deswegen eine stärkere staatliche Regulierung von KI und mehr Kontrolle durch die Kommunistische Partei. Warnungen vor spezifischen Gefahren der Technologie gibt es in China laut NYT schon länger. Doch diesmal handele es sich um „eine viel umfassendere Warnung, die sich nicht auf eine konkrete Bedrohung durch dieses eine Modell oder jene eine Schwachstelle bezieht, sondern auf einen umfassenderen Paradigmenwechsel“, zitiert die Zeitung Kyle Chan, China-Experte der Brookings Institution.

Während der eigene Sicherheitsminister warnt, wirft Chinas Regierung anderen jedoch vor, die Gefahren zu übertreiben: Dario Amodei, Chef des KI‑Unternehmens Anthropic, hatte am Wochenende gefordert, dass die USA und andere Demokratien unebdingt Maßnahmen ergreifen müssten, um die KI-Entwicklung in China zu verlangsamen.

Die Antwort aus Peking fiel schroff aus: Amodeis Ideen seien eine „unrealistische Wahnvorstellung“, schrieb die Parteizeitung „Global Times“. (tib)



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