Anthropic will an die Nasdaq und könnte mit einer Bewertung von bis zu 1,5 Billionen Dollar Geschichte schreiben. Der Börsengang gilt als wichtiger Test für die KI-Branche.
Fulda – KI-Aktien sind an den Börsen weiterhin in aller Munde. Ob Nvidia, die großen Chipproduzenten oder die Betreiber von Rechenzentren, künstliche Intelligenz bleibt einer der wichtigsten Kurstreiber. Doch jetzt steht dem gesamten Sektor eine besonders spannende Bewährungsprobe bevor. Mit Anthropic will einer der führenden Entwickler künstlicher Intelligenz an die Börse.

Am Montag (26. Oktober) hat Anthropic seine Börsenunterlagen bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC veröffentlicht. Das 2021 gegründete Unternehmen ist vor allem für seinen KI-Assistenten Claude bekannt und zählt neben OpenAI und Google zu den führenden Entwicklern leistungsfähiger KI‑Modelle.
Anthropic an der Nasdaq: Wird der IPO zum KI-Stimmungstest?
Die wichtigsten Eckdaten zum geplanten Börsengang:
- Die Aktie soll an der amerikanischen Nasdaq unter dem Kürzel ANT notieren.
- Das Bankenkonsortium wird von Goldman Sachs und Morgan Stanley angeführt. Insgesamt sind 22 Investmentbanken beteiligt, darunter JPMorgan, Citigroup, Barclays und Bank of America.
- Laut Reuters soll die Vermarktung der Aktien bei institutionellen Investoren in der Woche ab dem 9. November beginnen. Mit dem Börsengang wird Mitte bis Ende November gerechnet. Ein verbindlicher Termin steht noch nicht fest.
- Der Ausgabepreis ist ebenfalls offen. Eine erste Preisspanne dürfte während der Vermarktungsphase bekannt werden. Der endgültige Preis wird üblicherweise unmittelbar vor dem Börsenstart festgelegt.
- Anthropic wurde bei einer privaten Finanzierungsrunde im Mai 2026 mit 965 Milliarden Dollar bewertet. Für den Börsengang werden inzwischen rund 1,5 Billionen Dollar diskutiert. Zeitweise standen sogar 2 Billionen Dollar im Raum. Eine offizielle IPO-Bewertung gibt es allerdings noch nicht.

Enormes Wachstum, aber auch enorme Risiken
Besonders interessant sind die erstmals veröffentlichten Geschäftszahlen. Im Gesamtjahr 2025 erwirtschaftete Anthropic einen Umsatz von rund 4,6 Milliarden Dollar. Allein im ersten Halbjahr 2026 waren es bereits 16,3 Milliarden Dollar, nach lediglich 1,16 Milliarden Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das Geschäft hat sich damit innerhalb eines Jahres ungefähr vervierzehnfacht. Allerdings ist das Wachstum teuer erkauft.
Für das erste Halbjahr meldete Anthropic einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar. Diese gewaltige Zahl benötigt jedoch eine Erklärung. Rund 72,4 Milliarden Dollar entfielen auf überwiegend nicht zahlungswirksame Neubewertungen von Finanzierungsinstrumenten. Das Unternehmen hat also keineswegs 80 Milliarden Dollar im laufenden Geschäft verbrannt. Der operative Verlust betrug 693 Millionen Dollar.
Bemerkenswert ist zudem, dass Anthropic im ersten Halbjahr bereits einen positiven operativen Mittelzufluss von rund 3,9 Milliarden Dollar erwirtschaftete.
Wo liegen die Risiken?
Der Börsenprospekt nennt einige Punkte, die Anleger nicht übersehen sollten. Etwa ein Viertel des Umsatzes in den ersten neun Monaten 2026 entfiel auf lediglich fünf Kunden. Gleichzeitig muss Anthropic enorme Summen investieren, um ausreichend Rechenleistung zur Verfügung zu haben.
Allein im ersten Halbjahr beliefen sich die Kosten für Rechenleistung und Infrastruktur auf knapp 9 Milliarden Dollar. Hinzu kommen langfristige Vereinbarungen mit Cloud- und Technologiepartnern im Umfang von mehreren Hundert Milliarden Dollar. Nicht alle diese Beträge sind sofort fällig oder vollständig verpflichtend.
Anthropic warnt außerdem ausdrücklich davor, dass sich das enorme Umsatzwachstum künftig verlangsamen könnte. Im Prospekt werden auch Sicherheitsrisiken leistungsfähiger KI-Systeme beschrieben, einschließlich möglicher schwerwiegender Schäden durch Missbrauch oder unkontrolliertes Verhalten.
Wer sich mit Tech-Aktien beschäftigt, der sollte genau auf die Google-Mutter Alphabet schauen. Und auch am US‑Chip-Riesen Nvidia führt kein Weg vorbei.