[30.10.2026] Die Landeshauptstadt München setzt bei der Virtualisierung ihrer IT-Infrastruktur künftig verstärkt auf Open Source. Mit einer hybriden Strategie will die Stadt ihre Abhängigkeit von einzelnen Herstellern verringern und Lizenzkosten besser steuern.
Die Landeshauptstadt München baut ihre IT-Infrastruktur um und setzt bei der Server-Virtualisierung künftig auf eine Kombination aus proprietärer Software und Open Source. Wie die Stadt mitteilt, sollen herstellerzertifizierte Anwendungen wie SAP-Systeme weiterhin auf der bisherigen Plattform laufen. Für einen Großteil der Standardanwendungen wird dagegen schrittweise eine neue Umgebung auf Basis der Open-Source-Software Proxmox aufgebaut. Ziel ist es, die digitale Souveränität zu stärken und die Kosten langfristig besser kontrollieren zu können.
Hintergrund sind veränderte Lizenzbedingungen beim bisherigen Anbieter der Virtualisierungsplattform. Nach dessen Übernahme durch ein anderes Unternehmen haben sich laut Stadt die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend geändert. Das IT-Referat und der städtische IT-Dienstleister it@M prüften deshalb rund eineinhalb Jahre lang verschiedene proprietäre und quelloffene Lösungen auf ihre technische und wirtschaftliche Eignung.
Das Ergebnis ist kein vollständiger Plattformwechsel. Stattdessen will München beide Systeme parallel betreiben und je nach Anwendungsfall entscheiden, welche Lösung sich besser eignet. Die Stadt verspricht sich davon mehr Unabhängigkeit von einzelnen Softwareherstellern und größere Flexibilität bei künftigen Lizenzentscheidungen.
Die Umstellung soll sich über mehrere Jahre erstrecken. Rund zehn Fachleute aus den Bereichen Linux, Virtualisierung, Speichertechnik und Automatisierung arbeiten an der Umsetzung. Nach Angaben der Stadt verfügt it@M bereits über das erforderliche Fachwissen, sodass keine zusätzlichen Stellen geschaffen werden müssen. Erste Anwendungen sollen frühzeitig auf der neuen Plattform produktiv betrieben werden, um Erfahrungen zu sammeln und Risiken beim weiteren Ausbau zu begrenzen.
Bei der Einführung arbeitet München auch mit dem Open-Source-Unternehmen Atix aus Garching zusammen. Gemeinsam entwickelten die Partner Erweiterungen für die Open-Source-Plattform Foreman. Die Stadt investierte dafür rund 20.000 Euro. Die entwickelten Funktionen wurden anschließend in das Open-Source-Projekt eingebracht und stehen damit auch anderen Anwendern zur Verfügung.
München will sich künftig stärker an der Weiterentwicklung quelloffener Software beteiligen. Neben Supportverträgen sollen auch Entwicklungsaufträge dazu beitragen. Für die Bürgerinnen und Bürger soll der Umbau der technischen Infrastruktur keine spürbaren Veränderungen mit sich bringen. Der Betrieb der städtischen IT-Anwendungen soll während der schrittweisen Umstellung weiterlaufen.