KI-Digitalisierung-E-Government


Alois Huber setzt bei Spar auf technologische Innovation, Digitalisierung und effiziente Abläufe, will aber Nahversorgung mit persönlichem Service erhalten. Gleichzeitig bleiben Datenschutz, Mitarbeiterentwicklung und leistbare Preise zentrale Themen. Spar-Chef Alois Huber im Interview mit MeinBezirk Niederösterreich-Chefredakteur Oswald Hicker.

MeinBezirk: Die ganze Welt verändert sich massiv. Es gibt neue Technologien, die uns das Leben erleichtern, andererseits aber auch den einen oder anderen beunruhigen. Wie ist die Situation im Lebensmittelhandel mit neuen Technologien?
ALOIS HUBER: Bei uns kommen neue Technologien immer dann zum Einsatz, wenn sie unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder unseren Kundinnen und Kunden das Leben erleichtern und wir daraus Wachstum generieren können. Wachstum ist heutzutage notwendig. In der Logistik testen wir derzeit sechs E-Lkw, die hervorragend funktionieren. Sie können voll beladen über die Autobahn fahren, sind kraftvoll und gleichzeitig leise. Die Technik ist fertig und gerade für die Belieferung von Wien und anderen Städten geeignet.

Alois Huber: "Unser Werk bauen wir gerade um 20 Millionen aus, etwa für Geflügel-Convenience-Produkte." | Foto: Glavanovits

Auch für unsere Kunden entwickeln wir Innovationen. Die Spar-App wird laufend erweitert, etwa um die Einkaufsliste, die mit der App verknüpft und mit anderen geteilt werden kann. Dazu kommen Produktinnovationen. Wir haben mit Sous-Vide begonnen, arbeiten mit Skin-Verpackungen und Convenience-Produkten und produzieren mittlerweile auch vegane Spezialitäten. Unser Werk bauen wir gerade um 20 Millionen Euro aus, unter anderem für Geflügel-Convenience-Produkte.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln gibt es mit der Vital-Pure-Linie ebenfalls eine Innovation. Unser Fokus lautet: Der Trend kommt aus der Welt, die Wertschöpfung bleibt daheim. Produkte wie Kefir oder Skyr haben internationale Ursprünge, werden aber bei uns mit österreichischer Milch produziert. Die Veggie-Palette kommt überhaupt aus unserem eigenen Haus. All diese Innovationen treiben Einfachheit, Bequemlichkeit und Wachstum: Bequemlichkeit für den Kunden, Einfachheit für die Mitarbeiter.

Welche Innovationen gibt es beim Ablauf des Einkaufs? Self-Scanning hat sich mittlerweile überall durchgesetzt.
Wir wollen den Einkauf für unsere Kunden so einfach und schnell wie möglich machen. Wir testen etwa ein Bestellterminal an der Feinkosttheke. Außerdem statten wir unsere Märkte mit „Hot-to-go“ aus, um dem Trend zum Außerhausverzehr Rechnung zu tragen. Kunden sollen schnell eine warme Mahlzeit beim Spar bekommen können – vom halben Grillhendl über den Austro-Burger und Pizzaschnitten bis zur Schnitzel- oder Leberkässemmel.

In Gemeinden tauchen immer öfter menschenlose Märkte auf. Wie sieht Spar diese Entwicklung?
Für Landwirte, die dort ihren Abhof-Verkauf machen, ist das eine spannende Entwicklung. Persönlich glaube ich aber nicht ganz daran, weil es eher einer Notversorgung als einer Nahversorgung entspricht. Kunden erwarten von einem Supermarkt rund 10.000 verschiedene Artikel. Das bedeutet eine Verkaufsfläche von mindestens 650 bis 700 Quadratmetern und entsprechend Potenzial beim Umsatz. Das ist klassische Nahversorgung, bei der ein Kaufmann gut leben und vernünftig wirtschaften kann. Wir werden daher nicht immer kleiner bauen.

Alois Huber: "Wir bieten qualitätsvolle Arbeitsplätze, bilden Lehrlinge überdurchschnittlich gut aus." | Foto: Glavanovits

Wird es bei Spar einen menschenleeren Markt geben?
Das ist nicht unsere DNA. Wir sind Nahversorger und bieten auf diesen Flächen auch eine große und gut sortierte Feinkost. Diesen USP werden wir nicht aufgeben, sondern eher ausbauen.

Wie gut ist Niederösterreich mit Supermärkten versorgt?

Ich glaube, dass man praktisch überall innerhalb von zehn Minuten in einem Spar ist. Österreich hat generell eine sehr hohe Dichte an Supermärkten. In Niederösterreich tragen dazu unsere Kaufleute und Filialen bei.

Was bringt die Spar-App?
Die App soll nicht stressen, sondern den Einkauf einfacher machen. Beim Vorzeigen werden Spar-Joker automatisch eingelöst und Rabattmarkerl gesammelt. Gleichzeitig bleiben die Nutzer anonym, weil wir keine persönlichen Kundendaten sammeln. Über die App kann man Produkte suchen und sehen, ob sie im jeweiligen Markt vorrätig sind. Auch die Einkaufsliste bleibt aktuell.

Man kann ein Produkt scannen und erhält Produktdetails und den Preis. Die App verbindet damit Kostenvorteile mit praktischen Funktionen. Auch der Kassenzettel kann ausschließlich digital in der App gespeichert werden. Wichtig ist für uns aber: Wir bieten alles online wie offline an. Wir schließen niemanden aus. Wer Rabattmarkerl auf Papier möchte oder mit Bargeld bezahlen will, kann das weiterhin tun.

Bargeld wird teilweise kritisch gesehen. Ist das bei Spar anders?
Es gibt Kunden, die mit Bargeld bezahlen wollen. Das ist vollkommen in Ordnung und wird auch immer so sein. Ich bin nicht dazu da, jemanden umzuerziehen. Deshalb gibt es bei uns sogar an vielen Standorten einen Bankomaten, an dem man ohne Gebühren Bargeld beziehen kann.

Was bietet ein moderner Sparmarkt zusätzlich zum klassischen Einkauf?
Unsere neuen Märkte sind unter anderem mit Photovoltaik ausgestattet. Dazu kommen Paketstationen, E-Tankstellen und teilweise weitere Angebote wie Lotto. Wir sind aber an jedem Standort auch Arbeitgeber. Wir wollen qualitätsvolle Arbeitsplätze anbieten und unsere Lehrlinge überdurchschnittlich gut ausbilden. Medienkompetenz ist dabei ein wichtiger Schwerpunkt, weil die Menge an verfügbaren Informationen auch Risiken mit sich bringt.

Auch bestehende Mitarbeiter werden laufend weitergebildet. Dazu gehören Ernährungskurse, persönliche Weiterbildung, betriebliche Sozialberatung und Coaching für Führungskräfte. Das ist wichtig, weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Feinkost, an den Kassen und in den Gängen das eigentliche Gesicht des Marktes sind.

Ist ein Lieferservice für Lebensmittel ein Thema?
Wir haben Zustellung mit Interspar in Wien und Umgebung ausprobiert. Aufgrund der Dichte unseres Filialnetzes bringt ein Lieferservice dem Kunden aber keinen ausreichenden Mehrwert. Bis die Bestellung am Handy zusammengestellt ist, ist man oft schon im Markt. Dort kann man sich außerdem selbst von der Qualität der Produkte überzeugen. Deshalb setzen wir digital auf Information und Transparenz: Kunden sollen sehen können, wo welches Produkt in welchem Markt verfügbar ist.

Gibt es auch Innovationen, die der Kunde nicht unmittelbar sieht?
Ja. Unsere internen Nachbestellsysteme werden zunehmend durch KI unterstützt. Für die Brot- und Gebäckabteilungen gibt es einen eigenen Bestellassistenten, um Verderb zu reduzieren und die Frische hochzuhalten. Auch bei der Energie geht es darum, Stromspitzen zu vermeiden und den Strom aus Photovoltaik möglichst effizient im Markt zu nutzen. Das passiert im Hintergrund, wirkt sich aber auf die Wirtschaftlichkeit und letztlich auch auf die Preise aus.

Der Preis bleibt also wichtig?
Natürlich. Das sehen wir auch bei unserer Preiseinstiegsmarke „S-BUDGET“, die mittlerweile eine sehr starke Eigenmarke geworden ist. Innovation, Einfachheit und Preis müssen zusammenpassen.

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